Ausgabe: 6/2012, Seite 9     -  Nachrichten

DIE MÄR VOM BÖSEN WOLF

Als 1996 der erste aus Polen zugewanderte Wolf in der Lausitz gesichtet wurde, frohlockten die Naturschützer. Die Bauern dagegen bangten um ihr Vieh. Zurecht? Das wollten Wissenschaftler des Senckenberg Forschungsinstituts in Görlitz wissen. Deshalb untersuchten die Zoologen um Hermann Ansorge die Fressgewohnheiten des wildlebenden Raubtiers. Immerhin gibt es inzwischen in der Lausitzer Muskauer Heide neun Wolfsfamilien mit etwa 35 Jungtieren.

Um herauszufinden, was auf Isegrims Speiseplan steht, sammelten die Forscher rund 3000 Kotproben der Wölfe und untersuchte die unverdauten Teile: Haare, Knochen, Hufe und Zähne. Ergänzt wurden die Daten durch die Funde von Resten erlegter Beutetiere. Das Ergebnis der umfassenden Untersuchung beruhigt. „Weniger als ein Prozent der Beute“, erklärt Ansorge, „stammt von Nutztieren.“

Die Wölfe in der Lausitz erlegen vor allem wilde Huftiere: Rehe, Rotwild und Wildschweine. Ansorge meint: „Solange Schafe und Co gut geschützt werden und es genug Auswahl unter den Wildtieren gibt, gehen Wölfe nicht die Gefahr ein, mit Elektrozäunen oder Herdenschutzhunden konfrontiert zu werden. Das Konfliktpotenzial zwischen Mensch und Wolf ist sehr gering. Der Wiederbesiedlung durch die Wölfe sollte nichts im Wege stehen.“


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