Ausgabe: 5/2012, Seite 9     -  Nachrichten

PEST WIRD KALTGESTELLT

Eine Möglichkeit, Pestbakterien ohne Antibiotika in Schach zu halten, haben Forscher des Helmholtz-Zentrums für Infektionskrankheiten in Braunschweig gefunden. Das Team um Katja Böhme stellt sie im wahrsten Sinne des Wortes kalt. Die Erreger verfügen nämlich über eine Art Thermometer, das bei 37 Grad Celsius – also bei Körpertemperatur – das Infektionsprogramm auslöst und die Bakterien gleichzeitig gegen die körpereigene Abwehr immun macht. Den Wissenschaftlern gelang es, dieses Thermometer durch genetische Veränderungen auf eine konstant niedrigere Temperatur einzustellen.

Die Forscher arbeiteten mit Yersinia pseudotuberculosis, einem nahen Verwandten des Pesterregers Yersinia pestis. Tausende Kleinkinder in Deutschland infizieren sich jedes Jahr mit dieser Pesterreger-Variante, die zum Teil schwere Durchfallerkrankungen verursacht.

Böhme fand nun eine Möglichkeit, dem Bakterium durch Gen-Manipulationen vorzugaukeln, dass es sich bei einer niedrigeren Temperatur als 37 Grad Celsius – also außerhalb des Körpers – befindet. Es schaltet dann nicht auf „Angriff“ und lässt sich vom Immunsystem beseitigen. Jetzt soll ein entsprechender Wirkstoff entwickelt werden, der auch die „richtige“ Pest bekämpft, die immer noch auftritt und häufig gegen Antibiotika resistent ist.


« zurück

© 2013 bild der wissenschaft | webmaster