Ausgabe: 4/2012, Seite 8 - Nachrichten

WELTKLIMA
DICKE LUFT AM AMAZONAS
Redaktion: Hans Groth, nachrichten@bild-der-wissenschaft.de
Mehr als sechs Millionen Quadratkilometer ist das Amazonasbecken groß. Dort wächst der größte Regenwald der Welt – eine grüne Lunge, die für das globale Klima von wesentlicher Bedeutung ist. Doch diese Lunge wird zunehmend verqualmt, wie ein deutsch-brasilianisches Forscherteam um Holger Baar vom Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (IfT) in Leipzig herausgefunden hat.
Die Wissenschaftler hatten untersucht, welche Aerosole sich in der Luft über der Amazonasregion befinden und welche Rolle sie dort spielen. Obwohl diese winzigen Partikel eine wichtige Komponente im Kreislauf der Wolken- und Niederschlagsbildung über dem Regenwald sind, weil sie quasi „Keime“ für die Wolkentropfen darstellen, ist bisher nur wenig über diese Teilchen bekannt. Deshalb installierten die Forscher 60 Kilometer nördlich von Manaus ein spezielles Lasermessgerät. Damit waren sie in der Lage, die Verteilung und die Eigenschaften der Aerosole bis in 20 Kilometer Höhe zu ermitteln.
Zu Beginn der Studie hatten die Wissenschaftler angenommen, dass die Luft über der Station relativ rein wäre. Doch bald zeigte sich, dass es dort vor allem während der Regenzeit zwischen Januar und April große Mengen an Mineralstaub- und Rauchpartikeln gab, die aus Afrika stammten. Dass Mineralstaub aus der Sahara mit den Passatwinden ins Amazonasbecken gelangt, war bekannt. „Doch uns überraschte“, erklärt Baar, „wie groß der Anteil an Rauchpartikeln aus Afrika war.“ Diese Aerosole stammen von sogenannten Vegetationsfeuern – von Bränden, mit denen Menschen bewachsene Flächen für die Landwirtschaft roden. Sie lodern in Zentralafrika vor allem zwischen Januar und April.
Nach den Erkenntnissen der Forscher könnten diese Vegetationsfeuer im fernen Afrika große Bedeutung für die Wolkenbildung in der Amazonasregion haben. Um sicher zu gehen, will Baar bald weitere Studien durchführen. Das Ziel des Wissenschaftlers ist, die Aerosole in der Region genauer zu charakterisieren und herauszufinden, welche Rolle genau sie im Klimageschehen spielen.
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