Ausgabe: 7/2011, Seite 20   -  Leben & Umwelt

DIE EVOLUTION DER WITZIGKEIT

Humor und Witzempfinden sind typisch menschlich. Ob jung oder alt, Mann oder Frau, Europäer oder Afrikaner – alle Menschen lachen gern. Forscher versuchen herauszufinden, warum.

von Tanja Krämer
 

Lieber Leser, wie finden Sie den? Gehen zwei Zahnstocher im Wald spazieren. Plötzlich läuft ein Igel vorbei. Sagt der eine Zahnstocher zum anderen: „Sag mal, wusstest du, dass hier ein Bus fährt?“ Ha Ha Ha. Wie, den fanden Sie nicht lustig? Vielleicht mögen Sie es ja ein bisschen bissiger, etwa so: Treffen sich zwei Jäger im Wald. Beide tot.

Wenn man im Bekanntenkreis erzählt, dass man einen Artikel über Humor schreiben wird, hört man plötzlich jede Menge Witze. Alberne, makabre, schlüpfrige, harmlose und gemeine. Es scheint, als ob die Leute nur darauf gewartet hätten, etwas Lustiges zum Besten geben zu dürfen. Auch im Fernsehen und im Internet wird man von Comedy und lustigen Kurzfilmchen geradezu überflutet. Gibt man bei der Videoplattform YouTube im Internet den Suchbegriff „funny“ ein, landet man über zwei Millionen Treffer.

Menschen lachen gern, und sie bringen andere gern zum Lachen. Schon im antiken Griechenland gab es professionelle Possenreißer und Witzbücher. Der älteste überlieferte Witz wurde auf etwa 1900 bis 1600 vor unserer Zeitrechnung datiert (siehe Kasten S. 22 „Der älteste Witz der Welt“). Soweit bekannt ist, gibt es keine Gesellschaft auf der Erde, die nicht in irgendeiner Weise humorvoll miteinander agiert, und auch keinen gesunden Menschen, der keinen Sinn für Humor hat. Egal ob Männer oder Frauen, Alte oder Kinder, Europäer, Afrikaner oder Aborigines – wir alle finden bestimmte Dinge witzig, wir alle lachen gern und oft. Humor ist eine universale menschliche Eigenschaft.

Doch lachen nicht auch manche Tiere? Haben sie etwa ebenfalls Humor? „Lachen und Humor darf man nicht gleichsetzen“, sagt Barbara Wild, Psychiaterin und Neurowissenschaftlerin an der Universität Tübingen. Zwar steht das Lachen oft am Ende einer humorvollen Situation, es existiert aber auch unabhängig davon. Es gibt ängstliches, verlegenes oder aggressives Lachen und natürlich das hilflose Kichern während einer Kitzel-Attacke. Viele Forscher sehen im Lachen eine Art Reflex, der lange vor dem Humor entstanden ist und eng mit dem Spielverhalten der Jungtiere zusammenhängt (siehe Beitrag „Kitzel mich!“ ab Seite 27).

Wer aber die liebenswerte Tollpatschigkeit eines Charlie Chaplin oder Wortwitze moderner Kabarettisten lustig findet, leistet weit mehr, als sich einem bloßen Automatismus hinzugeben. „Um Humor zu erleben oder Witze zu erkennen, müssen wir Sprache verstehen, Vorwissen aktivieren und uns in soziale Situationen hineindenken können“, sagt Barbara Wild. „Das erfordert hohe kognitive Fähigkeiten, die Tiere nicht mitbringen.“ Und ihre Kollegen Jeffrey Reiss und Joseph Polimeni von der kanadischen University of Manitoba sind überzeugt: „Humor kann man wohl als die komplexeste menschliche Eigenschaft bezeichnen.“

LACHEN bis zum uMFALLEN

Doch wozu ist sie gut? Warum hat sie sich evolutionär bewährt? Für die Antworten ist die Forschung Umwege gegangen. Eine prominente Rolle dabei spielten die Patienten des Psychiaters und Neurologen Allan Reiss von der Stanford University in Kalifornien: Es handelt sich um Menschen mit Kataplexie, einer Art Kontrollverlust über die Muskelspannung. Haben die Betroffenen einen heftigen Anfall, fallen sie zu Boden und verlieren teilweise minutenlang die Kontrolle über ihre Bewegungen, während sie in einen schlafähnlichen Zustand abtauchen. Das Symptom ist selten, es tritt bei höchstens einem von 2000 Menschen auf. „Ausgelöst werden die Anfälle von starken Emotionen wie Wut oder sexueller Erregung“, sagt Reiss. „Am häufigsten aber wird Kataplexie ausgelöst, wenn die Patienten in einer humorvollen Situation sind, einen Witz hören oder darüber lachen.“

Reiss, der sich eigentlich mit den neurologischen Grundlagen von Krankheiten wie Autismus oder Depressionen beschäftigt, war im Jahr 2002 auf diese kleine Gruppe aufmerksam geworden. Er wollte herausfinden, warum ein Witz den Menschen buchstäblich die Beine wegzieht. Die neurologischen Grundlagen des Humors waren damals noch kaum untersucht worden. Zwar gibt es bereits seit den 1970er-Jahren vereinzelte Studien zum Witzverständnis bei Menschen mit Hirnverletzungen. Diese haben aber nur belegt, dass eine Schädigung des Arbeitsgedächtnisses im Stirnhirn das Erkennen von witzigen Pointen erschwert. Den Patienten mit Kataplexie war damit nicht geholfen. „Um herauszufinden, was diese Menschen so besonders macht, mussten wir erst einmal klären, was sie von anderen unterscheidet“, sagt Reiss. So machte er sich mit Kollegen daran, die neurologischen Prozesse während der Humorverarbeitung bei Gesunden zu untersuchen – und ganz nebenbei möglicherweise auch Hinweise auf den Nutzen unserer Witz-Lust zu finden.

Dazu ließ er Männer und Frauen in einen Magnetresonanztomographen steigen und zeigte ihnen witzige und witzfreie Zeichnungen. Während sie die Bilder betrachteten, maßen die Forscher die Aktivität in ihrem Gehirn. Über einen Knopfdruck gaben die Probanden zudem an, ob sie den Comic witzig fanden. So konnten die Hirnscans gezielt solchen Bildern zugeordnet werden, die beim jeweiligen Teilnehmer Erheiterung ausgelöst hatten, denn schließlich muss nicht jeder Witz, den ein Forscher lustig findet, auch seine Probanden amüsieren. Reiss und seine Kollegen entdeckten, dass bei allen Teilnehmern während der Wahrnehmung von Humor das Belohnungssystem stark aktiviert wurde – eine erste, wenn auch nicht besonders überraschende Antwort auf die Frage nach dem Nutzen des Humors: Er sorgt für Wohlbefinden.

Frauen mögen sPRACHWITZE

Bei den Frauen war zudem der frontale Cortex sehr aktiv, sie nutzten also intensiv ihre analytischen Fähigkeiten – laut Reiss möglicherweise eine Erklärung dafür, dass Frauen sich oft für Sprachwitze begeistern. Auch war ihr Belohnungssystem stärker aktiviert als bei den männlichen Probanden. „Das heißt aber nicht, dass Frauen mehr Sinn für Humor haben“, betont Reiss. Er vermutet, dass diese Erkenntnis eher ein Beleg für die unterschiedliche Einstellung der Probanden ist. Denn auch bei ernsthaften Comics gab es in der Aktivität des Belohnungssystems Unterschiede: Während das der Männer deaktiviert wurde, blieb das der Frauen neutral. „Die Frauen hatten nicht erwartet, dass sie so viele Comics lustig finden würden“, folgert Reiss, „und so war das Lachen für sie besonders angenehm.“ Welchen Sinn diese Geschlechtsunterschiede mit Blick auf die Evolution haben könnten, weiß Reiss bislang nicht.

Sicher ist: Dass wir Humor als angenehm empfinden, hat positive Auswirkungen auf unsere Gesundheit: „Fühlen wir uns gut, reduzieren sich Stressgefühle“, sagt der Forscher. „Und: Stress schädigt das Gehirn.“ Die heilsamen Auswirkungen des Humors auf den Körper sind unbestritten. Mediziner haben vielfach festgestellt, dass Humor das Immunsystem stärkt und den Blutzucker senkt (siehe Interview „Lachen lüftet die Lunge“ auf S. 33). Auch Sport und Entspannungstechniken haben ähnliche Effekte. Es muss also noch mehr Gründe dafür geben, dass sich unser Witzgefühl entwickelt hat.

Finden sich weitere Indizien im Gehirn? Inzwischen gibt es über ein Dutzend Studien zur Neurologie des Humors. Die Neurowissenschaftlerin Barbara Wild hat sie letztes Jahr miteinander verglichen und sagt: „Wenn wir einen Witz verstehen, passiert im Gehirn erstaunlich viel. Es gibt nicht ein einzelnes Humorzentrum, sondern ein ganzes Humornetzwerk.“ So werden etwa die Sprachareale im Temporallappen aktiv und verschiedene Gedächtnisareale sind beteiligt – schließlich muss man Vorwissen aktivieren, um die Pointe zu erkennen und den Witz zu verstehen. Findet man etwas lustig, werden Teile des limbischen Systems aktiviert, das an der emotionalen Verarbeitung beteiligt ist – und eben auch das Belohnungssystem. Humor schafft also eine Verbindung zwischen Verstand und Gefühl.

NEBENPRODUKT DES INTELLEKTS?

„Die Verarbeitung von Emotionen ist sehr wichtig“, betont auch Allan Reiss. „Denn das Belohnungszentrum ist nicht nur da, damit wir uns gut fühlen. Es hilft auch dabei, zu lernen.“ Hat man etwa eine Aufgabe gut gelöst und wurde anschließend belohnt, merkt man sich den Lösungsweg und wendet ihn wieder an. Womöglich, glaubt Reiss, ist hier die Ursache für die Entstehung des Humors zu finden – als Nebenprodukt eines evolutionär fortgeschrittenen Gehirns. „Manche Forscher denken, dass Bewusstsein und Selbsterkenntnis solche Nebenprodukte sein könnten“, sagt Allan Reiss. „Ich frage mich manchmal: Könnte das beim Humor ähnlich sein?“

Nach Jahren der Forschung hatte der Psychiater genügend Wissen gesammelt, um endlich einen Blick auf die neuronalen Aktivitäten seiner zehn Kataplexie-Patienten werfen zu können. „Diese Gruppe unterschied sich tatsächlich von allen anderen Menschen, die wir bis dahin untersucht hatten, egal ob Männer oder Frauen“, sagt er. Paradoxerweise bezeichneten diese Patienten, die doch so heftig auf Komik reagierten, weniger Zeichnungen als lustig: Und wenn sie es taten, vergaben sie niedrigere Punktzahlen als die Kontrollgruppe. „Wir hatten das Gefühl, dass dieses Verhalten sie schützen sollte“, versucht Reiss den unerwarteten Befund zu erklären. „Denn wenn man weiß, dass eine lustige Begebenheit eine Attacke provoziert, sagt man eben lieber, sie sei nicht lustig.“

Belege dafür fand Reiss auch in den Hirnscans: Areale, die für das Unterdrücken unerwünschter Reaktionen zuständig sind, waren bei Kataplexie-Patienten aktiver als bei gesunden Probanden. Doch gleichzeitig waren das emotionale Belohnungssystem und der Hypothalamus der Patienten hyperaktiv. Der Hypothalamus ist das wichtigste Steuerungszentrum des vegetativen Nervensystems: Von hier aus werden mithilfe von Nervenverbindungen und Hormonen Körpertemperatur und Blutdruck geregelt, aber auch der Schlaf und das Sexualverhalten.

KURZSCHLUSS IM GEHIRN

Einer der Probanden, ein 18-jähriger Mann, fand die Zeichnungen so witzig, dass er im Tomographen eine heftige Kataplexie-Attacke erlitt. Für Reiss und seine Kollegen war das ein Glücksfall: So konnten sie direkt mitverfolgen, was im Gehirn vor sich ging: „Sein emotionales System war sehr aktiv, während die Aktivität des Hypothalamus rapide abfiel“, sagt Reiss. Er vermutet so etwas wie einen Kurzschluss im Gehirn, der an der Kataplexie zumindest beteiligt ist. Heilen kann man die Krankheit noch nicht. Regelmäßiger Schlaf, bestimmte Medikamente und das Vermeiden von allzu emotionalen Situationen helfen den Betroffenen aber, die Anfälle zu verringern.

Etwas Hochemotionales ist er also, der Witz. Und etwas, das entspannt, das dem Körper gut tut. Doch wie hat sich unsere Witz-Lust dereinst entwickelt? Eine weitverbreitete Theorie in der Evolutionsforschung, die auch zu den Vermutungen von Reiss passt, ist die der Spannungsreduktion: In der rauen Vorzeit, als unsere Urahnen auf der Suche nach Nahrung durch die Wälder streiften, mussten sie auf alles Ungewöhnliche achten. Jedes merkwürdige Geräusch, jeder Schatten hinter einem Stein hätte ein angriffslustiges wildes Tier sein können. Hörte unser Vorfahr ein Rascheln, war er angespannt und zu allem bereit. Wenn nun aber statt des Bären nur ein Hase zwischen den Blättern hervorlugte, könnte der Körper die Anspannung umgedeutet – und plötzlich als belohnend empfunden haben.

Eine ähnliche Erklärung bietet der Neurologe Vilayanur Ramachandran von der University of California in San Diego an: Er glaubt, dass Lachen als eine Art positives Signal entstanden ist, um die Artgenossen darüber zu informieren, dass sich eine vermeintliche Bedrohung als harmlos erwiesen hat. Statt einen Alarmschrei auszurufen, begannen unsere Vorfahren demnach zu kichern.

MACHT HUMOR SEXY?

Andere Hypothesen besagen, dass Humor schon früh genutzt wurde, um bei der Partnerwahl zu punkten: Wer Witze reißen kann, muss Köpfchen haben – ein Zeichen guter Gene, das die Fortpflanzung erleichtert haben könnte. Tatsächlich ergab eine Studie des Psychologen Eric Bressler von der kanadischen McMaster University aus dem Jahr 2006, dass Frauen bei der Partnerwahl Männer mit Humor bevorzugen. Aber beide Geschlechter gaben auch an, witzige Menschen seien weniger intelligent und weniger vertrauenerweckend als ernste Charaktere – was die Theorie der sexuellen Anziehungskraft wieder in Frage stellt.

Thomas Flamson von der University of California in Los Angeles hat einen anderen Ansatz: Der Anthropologe glaubt, Humor sei entstanden, um den Gruppenzusammenhalt zu fördern. „Will man einen Witz machen, müssen Sprecher und Zuhörer einen gewissen Wissenshorizont teilen“, erklärt er. Wer bestimmte Werte oder Erlebnisse einer Gruppe nicht teilt, kann bei einem Witz nicht mitlachen – und ist als Fremder enttarnt. „Mithilfe von Humor kann man ausdrücken: Ich suche Menschen, die so sind wie ich – ohne deutlich zu machen, dass man Menschen, die anders sind, eben nicht sucht“, sagt Flamson. Humor wäre demnach eine geschickte Methode, die Gruppe zusammenzuschweißen, ohne Aggressionen auszulösen.

Die These passt gut zu den Beobachtungen von Willibald Ruch von der Universität Zürich. Der Schweizer, ein Humorforscher der ersten Stunde, beschäftigt sich nicht nur mit der Frage, wie eine Geschichte gestrickt sein muss, damit wir sie witzig finden, sondern auch damit, ob man vom Humor auf den Charakter eines Menschen schließen kann. Denn Geschmäcker sind bekanntlich verschieden. Mancher lacht sich über Blondinenwitze schlapp, während der Kollege daneben steht und nur ein müdes Lächeln herauspresst. „Das hat aber nicht unbedingt etwas mit den inhaltlichen Aspekten eines Witzes zu tun“, sagt Humorforscher Ruch. Entscheidend sei vielmehr die Struktur des Scherzes.

Der Forscher unterscheidet zwei unterschiedliche Witzarten, die von jeweils anderen Persönlichkeiten als lustig empfunden werden: Die sogenannten Inkongruenz-Lösungs-Witze bringen das gewohnte Weltbild ein wenig in Unordnung, lassen sich mit einem bestimmten Vorwissen aber vollständig auflösen: Steht ein Schotte mit einer Kerze vorm Spiegel. Was er da macht? Er feiert den zweiten Advent! „Wer solche Witze mag, ist psychologisch eher konservativ eingestellt“, sagt Ruch. „Solche Menschen mögen eine geordnete Welt und haben eher Angst vor Neuem.“

Abenteuerlustige Leute hingegen, die immer wieder geistige Herausforderungen suchen, lachen laut Ruch über Nonsens-Witze, die auch dann noch einen Teil ihrer Absurdität behalten, wenn man sie verstanden hat: Sitzen zwei Kühe auf dem Baum und stricken Atombomben. Da kommt ein Schaf vorbeigeflogen. Sagt die eine Kuh zur anderen: „Sachen gibt’s!“

Seit 1980 beschäftigt sich Ruch mit diesem Phänomen, und inzwischen ist er überzeugt: Was wir witzig finden, gibt nicht nur Aufschluss über unsere Persönlichkeit, sondern auch über unser ganzes ästhetisches Empfinden. So stellte er fest, dass Menschen, die Schotten- oder Blondinenwitze mögen, auch eine Vorliebe für einfache, sachliche Malerei haben, während Nonsens-Lacher sich eher ein Bild von Dali oder Picasso an die Wand hängen würden. Groteske Texte werden ebenfalls eher von Liebhabern der Nonsens-Witze honoriert, ergab eine Studie Ruchs im Jahr 2009. Sogar den Musik-Geschmack verknüpft der Humorforscher mit den Witz-Präferenzen: Eine noch unveröffentlichte Studie zeigt laut Ruch, dass Nonsens-Fans eher auf Jazz oder Klassik stehen, während die konservative Fraktion eher Schlager- und Pop-Musik mag.

KRITIK MIT Witz

Die Korrelation von Persönlichkeit und Witz-Geschmack scheint übrigens länderübergreifend zu sein: Auch in Italien, Frankreich und der Türkei konnte Ruch sie nachweisen. Das heißt jedoch nicht, dass alle Kulturen über dieselben Scherze lachen. „Was man als witzig empfindet, hat immer mit den jeweiligen Lebensumständen zu tun“, sagt Barbara Wild. „Kulturelle Unterschiede sind daher nicht unbedingt im unterschiedlichen Humor begründet, sondern auch in einem unterschiedlichen Weltwissen und in dem, was eine Gruppe derzeit beschäftigt.“

Ein Charakteristikum von Humor wird jedoch von allen Forschern betont: seine entschärfende Wirkung in angespannten Situationen. „Humor ist eine elegante Methode, etwas Kritisches in den Raum zu stellen, ohne negative Konsequenzen befürchten zu müssen“, sagt Wild. „Wer die Situationen des Alltags nicht immer so ernst nimmt, eröffnet sich neue Perspektiven – und dadurch die Freiheit, etwas anders anzugehen.“ ■


DER ÄLTESTE WITZ DER WELT

Der älteste überlieferte Witz der Welt ist etwas unanständig: „Was seit undenkbaren Zeiten nicht vorgekommen ist: Eine junge Frau, die auf dem Schoß ihres Ehemannes nicht furzt.“

Gefunden hat ihn der Professor für Kreatives Schreiben Paul McDonald von der University of Wolverhampton in England im Auftrag eines TV-Senders 2008. Der Spruch ist Teil einer Reihe von sumerischen Sprichwörtern, die in Keilschrift auf einer Tafel verewigt wurden und wohl dem Altbabylonischen Reich zuzurechnen sind, das von etwa 1900 bis 1600 vor unserer Zeitrechnung dauerte.



WITZ UND LÄCHELN IM GEHIRN

Dass Lachen und Lächeln nicht dasselbe sind, zeigt sich im Gehirn: In der Aufsicht auf die linke Hirnhälfte (Abbildung links) sind die Gebiete gekennzeichnet, die bei der Witzwahrnehmung stärker aktiviert sind als beim Lächeln. Dabei zeigt Pfeil 1 auf Areale, die wahrscheinlich an der Wahrnehmung der Inkongruenz beteiligt sind, Pfeil 2 auf Gebiete, die beim Witzverständnis helfen. Auf der Hirnansicht von unten (Abbildung rechts) zeigen die Pfeile mit der Nummer 3 auf Hirnregionen, die an der emotionalen Reaktion der Erheiterung beteiligt sind. Sie werden beim Lächeln stärker aktiviert als bei der Witzwahrnehmung.



KINDLICHER HUMOR

Kinder lachen über andere Dinge als Erwachsene. Sie mögen gern Slapsticks und Nonsens-Witze, und sie lieben es, Erwachsene in komischer Weise nachzu-äffen. Das, ergaben Studien, gilt über die Kulturen hinweg. Ein Grund für die speziellen Humor-Vorlieben dürfte die Entwicklungsstufe der Kleinen sein: Kinder bis zum Alter von sechs Jahren etwa können Lügen und Witze noch nicht unterscheiden. Ab dem sechsten Lebensjahr erkennen sie zwar die Unstimmigkeit in einem Witz, können sie aber noch nicht auflösen. Erst mit etwa acht Jahren haben sich die kognitiven Fähigkeiten von Kindern so weit entwickelt, dass sie auch Sprachwitze verstehen.



LACHSALVEN IM NACHBARORT

Lachen ist ansteckend. Das bekannteste Beispiel hierfür ist die sogenannte Tanganyika-Lachepidemie aus dem Jahr 1962. Damals bekamen drei Schulmädchen in einem afrikanischen Dorf hysterische Lachanfälle, die sich schnell über die Schule ausbreiteten, auf das Dorf übersprangen und sogar im Nachbarort für Lachsalven sorgten. Berichten zufolge kicherten am Ende über 200 Menschen. Dokumentiert wurde der Fall 2007 von dem Humorforscher Christian Hempelmann von der Georgia Southern University in Statesboro, USA.



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