Ausgabe: 1/2010, Seite 8 - Nachrichten

PLACEBO-EFFEKT
RÜCKENMARK STOPPT SCHMERZEN
Auch eine wirkstofffreie Salbe kann Schmerzen lindern – wenn das Rückenmark mitspielt. Denn dessen Nervenzellen fahren ihre Aktivität messbar herunter, wenn jemand erwartet, dass die Salbe betäubend wirkt. Damit kommt dem Rückenmark, der ersten Station des Zentralen Nervensystems, beim Placebo-Effekt eine große Rolle zu.
Entdeckt hat den Zusammenhang eine Hamburger Forschergruppe um Falk Eippert vom Universitätsklinikum Eppendorf. Die Ärzte hatten ein paar Freiwilligen zwei identische Cremes auf die Unterarme gerieben und sie anschließend mit heißen Plättchen traktiert. Bei der einen Creme behaupteten sie, sie wirke schmerzlindernd – und drehten zur Bestätigung die Hitze in den Tests weniger stark auf als bei der „Kontroll-Creme“. Wenn sie die Probanden davon überzeugen konnten, dass die vermeintliche Betäubungs-Creme wirkte, spürten diese tatsächlich weniger Schmerzen als bei der anderen Salbe – auch dann, wenn die beiden Plättchen gleich heiß waren.
Sobald dieser schmerzlindernde Placebo-Effekt einsetzte, verringerte sich die Aktivität in einem bestimmten Bereich des Rückenmarks, wie ein MRT-Scan zeigte. Offenbar sorgte die Erwartungshaltung dafür, dass die Schmerzwahrnehmung schon beim Übergang von den Nerven der Haut ins Rückenmark blockiert wurde.
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