Ausgabe: 1/2010, Seite 6     -  Nachrichten

KÖRPERBAU

DIE ZUKUNFT GEHÖRT DEN KLEINEN DICKEN

Redaktion: Hans Groth, nachrichten@bild-der-wissenschaft.de
 

Wer sich an den großen mageren Models auf den Laufstegen der Designer stört, kann sich freuen: Laut einer Studie amerikanischer Evolutionsbiologen werden Frauen künftig eher klein und kräftig sein. Die Menschheit – zumindest deren weibliche Hälfte – entwickelt sich also nach wie vor weiter, so das Fazit des Teams um Stephen Stearns aus Yale. Gerade in letzter Zeit war diese Annahme immer wieder infrage gestellt worden. Begründung: Die moderne Medizin überdecke die früher prägenden Effekte der natürlichen Auslese so stark, dass diese nicht mehr nachweisbar sei.

Den schwerwiegenden Gegenbeweis liefert jetzt die sogenannte Framingham-Studie. Darin sammeln Forscher seit 1948 alle möglichen Informationen über mittlerweile 14 000 Bewohner der US-Kleinstadt Framingham – etwa ihren Gesundheitszustand, ihre Ernährung und die Zahl ihrer Kinder. Stearns und seine Kollegen interessierten sich vor allem für die Kinderzahl. Ihre These: Frauen, die besonders gut an die modernen Lebensumstände angepasst sind, bekommen mehr Kinder als andere. Dadurch müssten sich mit der Zeit die vorteilhaften Eigenschaften dieser Frauen immer weiter verbreiten, bis sie schließlich die Bevölkerung dominieren.

Entsprechend suchten die Forscher in den Framingham-Daten nach Merkmalen, die vordringlich bei sehr fruchtbaren Frauen vorkommen. Sie fanden einen kleineren, kompakteren Körperbau, einen unterdurchschnittlich hohen Cholesterinspiegel, einen niedrigeren Blutdruck und eine längere fruchtbare Lebensphase. Aus evolutionsbiologischer Sicht besonders interessant waren dabei Frauen, deren Töchter ebenfalls in der Studie erfasst wurden und bei denen dieselben Merkmale auftauchten: Diese Frauen hatten ihre Eigenschaften offenbar an die nächste Generation weitergegeben.

Doch es wird in Zukunft keineswegs nur noch mollige Frauen geben. Stearns ist überzeugt: Selbst wenn sich der aktuelle Trend noch zehn Generationen fortsetzt, wird die Frau des 25. Jahrhunderts im Durchschnitt bloß zwei Zentimeter kleiner und ein Kilogramm schwerer sein als heute. Ihr erstes Kind bekommt sie etwa fünf Monate früher, und ihre Wechseljahre setzen zehn Monate später ein. Zum möglichen Aussehen der Männer machten die Forscher keine Angaben.


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