Ausgabe: 1/2010, Seite 9     -  Nachrichten

GLETSCHER

GIFT AUS DEM EIS

Schweizer Forscher warnen vor giftigen Substanzen, die durch die Gletscherschmelze freigesetzt werden. Die Wissenschaftler um Peter Schmid von der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich befürchten vor allem, dass sogenannte POPs (Persistant Organic Pollutants) in die Umwelt gelangen – schwer abbaubare organische Umweltgifte wie DDT oder Dioxine. Die Chemikalien waren vor Jahrzehnten von Luftströmen herantransportiert und nach der Ablagerung auf der Schneedecke im Eis eingefroren worden. Tauen die Gletscher, fließen die Stoffe mit dem Schmelzwasser in den nächsten Gletschersee und lagern sich dort in den Sedimenten ab.

Das beweist ein Bohrkern aus dem Oberaarsee im Berner Oberland, dessen Schichten das Team analysiert hatte. Der Stausee war 1953 angelegt worden. In den Jahren 1960 bis 1970 wurden viele POPs produziert, die sich auch in den Sedimenten aus dieser Zeit nachweisen lassen. Anfang der 1970er-Jahre wurden die meisten POPs verboten, die Schadstoffmenge in den Sediemten geht entsprechend zurück. Was die Forscher überraschte, war, dass die Chemikalienkonzentration in Sedimentschichten, die nur 10 bis 15 Jahre alt sind, wieder deutlich ansteigt. Die Erklärung der Wissenschaftler: Der See wird vorwiegend vom Oberaargletscher gespeist, der in den vergangenen zehn Jahren um 120 Meter geschrumpft ist. Dabei wurden wohl relativ viele POPs freigesetzt.

In ihrem nächsten Projekt wollen die Forscher untersuchen, wie genau die POPs in den Gletschern lagern und mit welchen Mengen der Substanzen zu rechnen ist.


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