Ausgabe: 12/2009, Seite 6     -  Nachrichten

NEUE ARTEN

BERGE ALS WIEGE DER EVOLUTION

Redaktion: Hans Groth, nachrichten@bild-der-wissenschaft.de
 

Die Entstehung von Gebirgen sorgt für die Bildung neuer Tier- und Pflanzenarten. Diese überraschende These der „Gebirge als Wiege der Evolution“ vertreten US-Forscher um Catherine Badgley von der University of Michigan in Ann Arbor.

Bekannt ist, dass Gebirgsregionen stets eine größere Artenvielfalt als das Flachland bieten. Das ist nicht weiter erstaunlich, denn hier bestehen viele unterschiedliche Lebensräume in einem relativ kleinen Gebiet dicht nebeneinander. Während zehn Quadratkilometer Ebene nur ein einziges solches „Habitat“ besitzen, findet man in einer Gebirgsregion derselben Größe oft Wälder, Wiesen und Felslandschaften – mit unterschiedlichen Temperaturen, Niederschlagsmengen und anderer Vegetation. Bisher hatten die Geologen angenommen, dass diese Lebensräume Tier- und Pflanzenarten als Zuflucht dienten, wenn sie aus ihrem natürlichen Lebensraum in der Ebene verdrängt wurden – zum Beispiel, weil sich das Klima entscheidend änderte.

Für Badgley ist diese Theorie jedoch nicht zufriedenstellend. Sie moniert: „Die verschiedenen Habitate der Berge können zwar helfen, die Artenvielfalt dort zu erklären, aber woher diese ursprünglich stammt, wurde nie richtig untersucht.“

Um das herauszufinden, hatte die Forscherin mit ihren Kollegen Fossilien aus dem erdgeschichtlichen Zeitalter „Miozän“ (vor 23 bis 5 Millionen Jahren) analysiert. Sie stammten aus den Rocky Mountains und dem Tiefland der Great Plains. Wie die Wissenschaftler feststellten, war es in den Bergen offenbar immer wieder zu wahren Schüben neuer Artenbildung gekommen – allerdings nur während erdgeschichtlich aktiver Phasen, als es im Gebirge rumorte. Zu anderen Zeiten verlief die Artenbildung sowohl im Flachland als auch im Gebirge gleichmäßig langsam.

Catherine Badgley hat für dieses Phänomen eine plausible Erklärung: Es soll mit der Isolation einzelner Gebiete zusammenhängen. Während sich die Gebirge auffalteten, wurden die Bergbewohner von ihren Artgenossen getrennt, die in den tieferen Regionen lebten. Durch die Anpassung an den neuen Lebensraum seien im Laufe relativ kurzer Zeitspannen neue Spezies entstanden, meint die Forscherin.


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