Ausgabe: 7/2008, Seite 13   -  Nachrichten

FEHLENDE MATERIE

KOSMISCHE SPINNENFÄDEN

Astrophysiker haben endlich einen Teil der seit Langem gesuchten fehlenden Materie im Weltraum aufgespürt. Nur vier Prozent der Gesamtmasse und -energie im Universum ist bekannt – der große Rest besteht aus der ominösen Dunklen Materie und Dunklen Energie. Doch selbst von den vier Prozent der normalen Materie, aus der Sterne, Planeten und wir selbst bestehen, kennen die Astronomen noch nicht einmal die Hälfte. Der überwiegende Teil soll sich, so vermuten die Wissenschaftler seit vielen Jahren, als extrem dünnes, heißes Gas zwischen den Galaxienhaufen befinden. Denn die großräumige Materieverteilung im All scheint einem gigantischen Spinnennetz zu ähneln, mit den Galaxienhaufen als Kreuzungspunkten. Die „Spinnenfäden“ werden dabei von der unsichtbaren Dunklen Materie beherrscht. Doch in diesen Filamenten soll auch Wasserstoff- und Helium-Gas stecken.

Nun haben europäische Astronomen um Norbert Werner vom Niederländischen Institut für Weltraumforschung erstmals eine Röntgenstrahlung dieses Gases nachweisen können. Sie wurden fündig, als sie die Verbindung zwischen den beiden Galaxienhaufen Abell 222 und 223 mit dem europäischen Röntgensatelliten XMM-Newton betrachteten. Die kosmischen Gebilde sind 2,3 Milliarden Lichtjahre von der Erde entfernt.

„Bislang konnten wir nur die Galaxienhaufen beobachten, jetzt beginnen wir, auch die Verbindungen im kosmischen Spinnennetz zu erkennen“, sagt Aurora Simionescu vom Max-Planck-Institut für Astrophysik in Garching.

Die Dichte und Temperatur des Gases stimmen mit den Voraussagen von Computersimulationen zur Entwicklung des Universums überein – ein großer Erfolg für Theoretiker wie Beobachter.


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